„Die Schule rollt“ in Jockgrim

In der Lina-Sommer-Grundschule wird ein gutes Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gelebt

 

 

„Die Schule rollt“ machte nun Station in der Lina-Sommer-Grundschule in Jockgrim. Erstklässler hatten während der Aktionen Gelegenheit, selbst einmal mit einem Rollstuhl zu fahren. Sie lernten beim Bewältigen eines Parcours, dass ganz alltägliche Wege für Menschen im Rollstuhl oftmals mit vielen Barrieren verbunden sind. „Durch die Unterstützung der Unfallkasse und des Behindertensportverbandes ist es uns möglich, das Projekt nun an viele Schulen zu bringen und jungen Menschen den Spaß am Rollstuhlfahren aufzuzeigen. Wir möchten dazu beitragen, rollstuhlfahrende Kinder und Jugendliche im Regelsportunterricht einzubinden“, hob Nora Sties vom TV Laubenheim 1883 e. V. hervor. Zusammen mit Kollegen realisiert sie das für die Schulen kostenfreie Projekt vorzugsweise in Klassen mit rollstuhlfahrenden Schülerinnen und/oder Schülern. Ausgestattet mit Kinderrollstühlen, einem Hindernisparcours und erfahrenen Trainerinnen und Trainern besucht das Projektteam Einrichtungen im ganzen Land. Der Hindernisparcours aus Rampen, Stufen und simuliertem Kopfsteinpflaster zeigt, mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Rollstuhl im Alltag zu kämpfen haben – und, wie diese überwunden werden können. Bei jedem Termin ist mindestens ein rollstuhlfahrender Übungsleiter mit dabei.

Begeistert waren die Kinder von der Jockgrimer Grundschule, als ihre Klassenlehrerin Kathrin Koch alle Hindernisse mit dem Rolli bewältigte. Doch gegen Erstklässler Leopold, der mit Bravour den Schulalltag mit seinem Elektrorolli meistert, hatte Kathrin Koch keine Chance – zum Jubel seiner Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Beim Ballspielen steht Leopold am liebsten im Tor, gut geschützt mit einem Gitter, das beim Sport über seinem Rolli angebracht ist. Die Idee dazu hatte seine Lehrerin. Und da Leopold zurzeit im Fußballfieber ist, strahlt der Rundumschutz natürlich in den deutschen Nationalfarben.

An der Lina-Sommer-Grundschule wird ein gutes Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gelebt. „Ganz besonders freuen wir uns, dass wir dafür ausgezeichnet wurden. Für unsere Unterrichtsarbeit erhielten wir im vergangenen Jahr den ‚Inklusiven Schulpreis Rheinland-Pfalz‘“, freute sich Rektorin Nataly Rumler. Von Anfang an hätte sich Leopold an der Schule sichtlich wohlgefühlt – vor allem, weil er schon einige Kinder aus der Kita-Zeit kannte, berichtete die Rektorin. Überall wird er mit einbezogen. Auch am Aktionstag, an dem Nora Sties und ihr Kollege Lukas neben dem Parcours noch etliche Bewegungsspiele im Repertoire hatten. Ein Teil der Kinder saß dabei im Rollstuhl, die restlichen beteiligten sich zu Fuß an den Spielen. Alle Rollis waren mit Kippschutz ausgestattet, so dass die Kinder sicher fahren konnten.

Das Erlebte diskutierten die Veranstalter mit den kleinen und großen Teilnehmenden. Die Erwachsenen waren sich einig, dass durch die inklusive Schulentwicklung die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler gefördert wird. Der ungewöhnliche Unterricht am Veranstaltungstag machte allen Spaß, ob im Rolli oder zu Fuß. Auch dem Team aus Laubenheim gefiel der Vormittag an der Grundschule. „Mir macht die Arbeit mit Grundschulkindern viel Freude, sie stellen ungehemmt Fragen und sind sehr interessiert“, hob Sportstudent Lukas hervor. Nora Sties erzählte in der Gesprächsrunde von eigenen Erlebnissen im Rollstuhl und empfahl den Kindern eindringlich: „Wenn ihr merkt, dass jemand im Rolli eventuell Hilfe benötigt: Bietet sie ihm an! Aber vergesst nie: Fragt immer erst, ob und wie ihr helfen könnt.“

Das Projekt öffnet Türen und baut Hemmschwellen ab
„Diese Kooperation bringt Kindern und Lehrkräften mehr Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit Kindern, die beeinträchtigt sind. Auf diese Weise können wir auch Türen öffnen und Hemmschwellen abbauen“, ist Jördis Gluch überzeugt. Sie ist Mitarbeiterin im Referat Sport und Bewegungsförderung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und zeichnet federführend für das Projekt. Schulen, die Interesse am Projekt in der eigenen Einrichtung haben, können sich hier informieren und Kontakt herstellen.

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