Mannlich-Realschule plus Zweibrücken: Gemeinsame Spiel- und Sportmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung

04.10.2017

Gruppenbild der Schulkinder mit dem „Die-Schule-rollt“-Team.

Jörg Köhler vom „Die-Schule-rollt“-Team ist im Hauptberuf u. a. als Sportlehrer tätig. Durch eine Erkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen, konnte er den Kindern viele Fragen zum Sport mit dem Rolli beantwortete und eigene Erfahrungen einbringen.

Kinder und Lehrpersonen der Mannlich-Realschule plus Zweibrücken erfahren am Parcours, mit welchen Hindernisse Menschen im Rollstuhl im Alltag zu kämpfen haben. Fotos: Patricia Kuznia, Mannlich-Realschule plus Zweibrücken

Das Projekt „Die Schule rollt“ macht's möglich

Wie fühlt es sich an, in einem Rollstuhl zu fahren? Wie kann man Hindernisse bewältigen? Wie gestaltet sich der Alltag im Rolli? Eindrücke „er-fuhren“ – im wahren Wortsinne – Schülerinnen und Schüler der Mannlich-Realschule plus Zweibrücken. Das Projekt „Die Schule rollt“, umgesetzt durch den TV Laubenheim, machte es möglich. Die Schulkinder erhielten während des Sportunterrichts Einblicke in die Bewegungsmöglichkeiten im Rollstuhl. Das Trainerteam vom TV Laubenheim informierte über Schwierigkeiten, gab Tipps und erklärte Details über das Rollstuhlfahren und entsprechende Verhaltensweisen.  

"Ich hörte von diesem Projektangebot und war sofort von den Inhalten begeistert, da wir selbst einen Schüler im Rollstuhl an unserer Schule haben“, sagte Sportfachleiter Markus Priester, der den Aktionstag in der Realschule plus initiierte. Seine Kollegin Patricia Kuznia war nach der Veranstaltung sehr positiv gestimmt. „Die Veranstaltung bot den Schülerinnen und Schülern eine tolle Möglichkeit, einmal selbst auszuprobieren und zu erfahren, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen. Sie erhielten einen Einblick, mit welchen Hürden Menschen im Rollstuhl täglich zu kämpfen haben. Mit dem Projekt ‚Die Schule rollt‘ hatten unsere Schülerinnen und Schüler die Chance, sich einmal selbst in die Situation von Menschen mit einer Beeinträchtigung einzufinden. Dies schafft gegenseitigen Respekt und Wertschätzung“, erklärte die Sportlehrerin.  

Ein Parcours zeigte deutlich, was schon kleine Stufen oder Bordsteinkanten von Menschen im Rollstuhl abverlangen und wo Geduld und Rücksicht von anderen Leuten nötig wird. Entsprechend beeindruckt von der Aktion „Die Schule rollt“ waren die Schulkinder. „Uns allen hat der heutige Sportunterricht viel Spaß gemacht. Wir haben viel Neues gelernt und großen Respekt vor Lukas“, zollten die Teilnehmenden ihrem Mitschüler Respekt, der sein Leben im Rolli meistert. Überrascht waren sie über die gemeinsamen Spiel- und Sportmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Auch zukünftig möchte die Klasse den Sportunterricht gemeinsam mit Lukas gestalten.  

„Eigene Erfahrungen sammeln und ausprobieren – das ist gerade für Kinder und Jugendliche besonders wichtig. Positive Bewegungserfahrung stärkt die Entwicklung und das Selbstbewusstsein aller Kinder. Auch für die Lehrkräfte sind die Erfahrungen von großer Bedeutung“, sind die Projektinitiatoren überzeugt. Die Lehrkräfte erhalten nützliche Informationen rund um das gemeinsame Sporttreiben. „Durch die inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Unfallkasse und des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz ist es uns möglich, das Projekt in die Schulen zu bringen und jungen Menschen den Spaß am Rollstuhlfahren aufzuzeigen. Wir möchten dazu beitragen, rollstuhlfahrende Kinder und Jugendliche im Regelsportunterricht einzubinden. Es ist einfach toll zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind und wie sich durch diese Art des Sportunterrichts neue Sichtweisen eröffnen“, erläutert das Team vom TV Laubenheim.    

Das Projekt
„Die Schule rollt!“ wird an rheinland-pfälzischen Regelschulen vorzugsweise in Klassen mit rollstuhlfahrenden Schülerinnen und Schülern kostenfrei realisiert. Ausgestattet mit Kinderrollstühlen und einem Hindernisparcours besucht das erfahrene Projektteam Einrichtungen im ganzen Bundesland. Der Hindernisparcours aus Rampen, Stufen und simuliertem Kopfsteinpflaster zeigt anschaulich, mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Rollstuhl zu kämpfen haben – und wie diese überwunden werden können. Hemmschwellen und Berührungsängste können so durch das selbstständige Ausprobieren des Rollstuhlfahrens abgebaut werden. Bei jedem Termin ist mindestens ein rollstuhlfahrender Übungsleiter mit dabei, der Fragen beantworten kann und aus seinem Erfahrungsschatz berichtet.  

Konkrete Ziele des Projekts:

  • der Perspektivwechsel für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zum Rollstuhl als Sportgerät
  • das Stärken der Kompetenz der Lehrkräfte, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern
  • das Erleben von erwachsenen, selbstbestimmten Menschen mit Behinderung
  • das Fördern von Teilhabe und Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung
  • eine Netzwerkbildung zwischen Lehrkräften, Eltern, Vereinen und Menschen mit Behinderung  

Wer Interesse am Projekt in der eigenen Schule hat, findet weitere Informationen hier.

Kontakt

Unfallkasse Rheinland-Pfalz
Orensteinstr. 10
56626 Andernach
Telefon: 02632 960-0