„Die Schule rollt“ besuchte die Goethe-Grundschule in Höhr-Grenzhausen

22.11.2017

Übungsleiterin Nora Sties vom TV Laubenheim stellte sich den vielen Fragen der Kinder und berichtete über ihre Erfahrungen als Rollifahrerin.

Die Übungsleiterin gab wichtige Hinweise beim Bewältigen des Parcours.

Ein Parcours aus Rampen, Stufen und simuliertem Kopfsteinpflaster machte deutlich, mit welchen Hindernissen Menschen im Rollstuhl zu kämpfen haben.

Die Kinder waren von der etwas anderen Sportstunde begeistert. Fotos: Goethe-Grundschule in Höhr-Grenzhausen

Sportfachleiterin Denise Spengler: Durch das Projekt WIDIS ist für mich gemeinsamer Sport für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung nicht fremd.  

Wie fühlt es sich an, in einem Rollstuhl zu fahren? Wie kann man Hindernisse bewältigen? Wie gestaltet sich der Alltag im Rolli? Eindrücke „er-fuhren“ – im wahren Wortsinne – Schülerinnen und Schüler der Goethe-Grundschule in Höhr-Grenzhausen. Das Projekt „Die Schule rollt“, umgesetzt durch den TV Laubenheim, machte es möglich. Die Schulkinder erhielten während des Sportunterrichts Einblicke in die Bewegungsmöglichkeiten im Rollstuhl. Das Trainerteam vom TV Laubenheim informierte über Schwierigkeiten, gab Tipps und erklärte Details über das Rollstuhlfahren und entsprechende Verhaltensweisen.  

"Die Inhalte des Projektangebots haben uns begeistert. Wir haben viele tolle Anregungen für die eigene Umsetzung eines inklusiven Sportunterrichts erhalten“, sagte Sportfachleiterin Denise Spengler. Für sie ist gemeinsamer Sport für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung nicht fremd. Denise Spengler unterstützt schon seit einiger Zeit als Referentin das Pädagogische Landesinstitut und seine Kooperationspartnerinnen und -partner bei der Umsetzung des Projekts „Wege in den inklusiven Schulsport – kurz WIDIS“.

Ihre Kollegin Antonia Pütz war nach der „Die Schule rollt“-Veranstaltung positiv überrascht. „Die  Veranstaltung hat Spaß gemacht. Wir haben viel Neues gelernt und konnten Fragen stellen – dazu haben wir sonst keine Gelegenheit bzw. man traut sich oftmals nicht“, erklärte die Sportlehrerin.

Ein Parcours zeigte deutlich, was schon kleine Stufen oder Bordsteinkanten von Menschen im Rollstuhl abverlangen und wo Geduld und Rücksicht von anderen Leuten nötig wird. Entsprechend beeindruckt von der Aktion „Die Schule rollt“ waren die Schulkinder. „Der heutige Sportunterricht war sehr interessant und hat großen Spaß gemacht. Wir haben viel gelernt und können nun nachvollziehen, mit welchen Problemen Menschen im Rollstuhl rechnen müssen“, berichteten die Teilnehmenden. Überrascht waren sie über die gemeinsamen Spiel- und Sportmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

„Eigene Erfahrungen sammeln und ausprobieren – das ist gerade für Kinder und Jugendliche besonders wichtig. Positive Bewegungserfahrung stärkt die Entwicklung und das Selbstbewusstsein aller Kinder. Auch für die Lehrkräfte sind die Erfahrungen von großer Bedeutung“, sind die Projektinitiatoren überzeugt. Die Lehrkräfte erhalten nützliche Informationen rund um das gemeinsame Sporttreiben. „Durch die inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Unfallkasse und des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz ist es uns möglich, das Projekt in die Schulen zu bringen und jungen Menschen den Spaß am Rollstuhlfahren aufzuzeigen. Wir möchten dazu beitragen, rollstuhlfahrende Kinder und Jugendliche im Regelsportunterricht einzubinden. Es ist einfach toll zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind und wie sich durch diese Art des Sportunterrichts neue Sichtweisen eröffnen“, erläuterte das Team vom TV Laubenheim.

Das Projekt
„An rheinland-pfälzischen Regelschulen wird ‚Die Schule rollt!‘ vorzugsweise in Klassen mit rollstuhlfahrenden Schülerinnen und Schülern kostenfrei realisiert“, informierte Jördis Gluch, die bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz das Projekt betreut. Ausgestattet mit Kinderrollstühlen und einem Hindernisparcours besucht das erfahrene Projektteam Einrichtungen im ganzen Bundesland. Der Hindernisparcours aus Rampen, Stufen und simuliertem Kopfsteinpflaster zeigt anschaulich, mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Rollstuhl zu kämpfen haben – und wie diese überwunden werden können. Hemmschwellen und Berührungsängste können so durch das selbstständige Ausprobieren des Rollstuhlfahrens abgebaut werden. Als Übungsleitung ist beim  jedem Termin mindestens eine Rollstuhlfahrerin bzw. ein Rollstuhlfahrer mit dabei, um Fragen zu beantworten und aus dem eigenen Erfahrungsschatz berichtet.  

Konkrete Ziele des Projektes:

  • der Perspektivwechsel für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zum Rollstuhl als Sportgerät
  • das Stärken der Kompetenz der Lehrkräfte, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern
  • das Erleben von erwachsenen, selbstbestimmten Menschen mit Behinderung
  • das Fördern von Teilhabe und Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung
  • eine Netzwerkbildung zwischen Lehrkräften, Eltern, Vereinen und Menschen mit Behinderung.  

Wer Interesse am Projekt „Die Schule rollt“ in der eigenen Einrichtung hat, findet weitere Informationen hier. Mehr zum modularen Fortbildungsprojekt „WIDIS“ in der ampel-Ausgabe 56, Seite 20.